Aufräumen

Auf 300 Sachen geht es aber nicht um geniale „Hausfrauentipps“, wie man seinen Haushalt etwa in wenigen Schritten auf Vordermann bringt oder darum, wie man alternative Hygieneartikel selber herstellt. Ich denke Aufräumen an sich kann jeder (dafür braucht es keine extra Anleitung! Bei ernsthaften Messi-Problemen sollte man dann doch besser einen Arzt konsultieren). Hier geht’s auch nicht um Methoden, wie man etwa sein ganzes Hab & Gut auf 300 Sachen runterreduziert. Schließlich soll jeder seine eigene Wohlfühlmenge herausfinden und mit ihr leben. Die Frage, die sich mir damals stellte und heute noch immer aktuell ist, ist die nach mehr Zeit, Raum und Vereinfachung des Alltags.

Wie kriegt man das hin, dass nicht nur Wochenenden, Feiertage und der nächste Urlaub der Erholung dienen, sondern dass man täglich etwas Gutes für sich und seine Gesundheit tut? Wie schafft man es trotz Stress, Zeitnot und den vielen Verpflichtungen im Alltag stets achtsam zu bleiben, gelassen und zufrieden zu sein? Aufräumen heißt Loslassen – sowohl von überflüssigen Gegenständen, als auch von dem ständigen Wollen nach mehr.

 

„Nicht meine Wohnung mit meinen Gegenständen ist meine Persönlichkeit, sondern ich selbst – in Person“

Aufräumen ist ein Weg der über das Wegräumen, Weggeben und Wegschmeißen in gewisser Weise freigeräumt wird! Wer aufräumt, lebt ungebunden, flexibel und bleibt mobil. Aufräumen bietet Möglichkeiten zur Veränderung und schenkt viele Augenblicke des Glücks.

300 Sachen vereinfachen den Alltag natürlich enorm: Keine Extrazeit für den Hausputz, kein ständiges Suchen nach Gegenständen, keine Ablenkung nach Feierabend. Kein „was ziehe ich bloß an?“, keine stressigen Shoppingtouren am Wochenende. Stattdessen passt alles Wichtige in einen Rucksack, Aufgaben können sofort erledigt werden und für die halbe Stunde Sport am Tag ist auch immer Zeit.

Was ist Minimalismus?

Minimalismus ist das A und O und seit Neustem ein echtes Trendthema! Minimalismus ist so simpel, wie der Begriff selbst. Minimalismus kann viele Probleme des Alltags lösen und trägt zu einem einfachen und entspannten Leben bei. Was aber genau heißt Minimalismus? Minimalismus kann eine Methode, eine Lebenseinstellung oder Philosophie bedeuten. Aber fangen wir ganz vorne an: Ich vergleiche ihn gerne mit Urlaub. Schließlich verreisen wir alle gerne mal. Jeder kennt das geniale Gefühl, irgendwo anzukommen und sich sofort zu entspannen. Dazu braucht es in der Regel nicht viel: Ein einfaches, helles und sauberes Zimmer, ein tolles Restaurant um die Ecke, ein Koffer voll hübscher Kleidung und jede Menge Freizeit. Im Urlaub sind wir wie ausgewechselt: Wir sind spontan und unternehmungslustig, öffnen uns schnell neuen Menschen, Kulturen und Aktivitäten. Leider ist so ein Urlaub aber auch schnell wieder vorbei. Doch, muss er das? Kann nicht jeder Tag wie Urlaub sein?

Natürlich plädiere ich nicht für Freizeit nonstop!

Schließlich gehört Arbeit auch zu unserem Leben. Neben dem wichtigen Aspekt des Geldverdienens, erfüllt sie uns (idealerweise) mit einem Sinn, stellt uns täglich vor neue Herausforderungen, bringt uns mit den unterschiedlichsten Menschen zusammen, lässt uns wachsen und trägt zur gesellschaftlichen Teilhabe bei. Aber hier geht es weniger um den Sinn von Arbeit oder um Vorschläge für tolle Urlaubsziele.

Lenken wir also den Blick erneut auf das, was den Urlaub so besonders macht: Warum können wir anderswo so gut abschalten, loslassen, entspannen und spontan sein? Wenn man genau hinschaut, stellt man schnell fest: Alle Urlaubsorte verbindet eine Tatsache – nämlich die Reduzierung auf das Wesentliche, das Weglassen von überflüssigen Dingen, das bewusste Innehalten und Wahrnehmen dessen, was uns in diesem Moment umgibt – kurz: Minimalismus!

Dank Minimalismus kann jeder Tag wie Urlaub sein – und muss nicht mehr nur ein Traum bleiben. Wer  minimalistisch lebt, kann seinen Traumurlaub im Alltag leben, täglich ein Stück Urlaub genießen. Wie das geht, zeigt uns am besten der Aufräumprofi Buddha.

Was Buddha damit zu tun hat

Bevor ich mich für eine minimalistische Lebensweise entschieden habe, musste (wie das manchmal so ist) erst einmal ein Schlüsselerlebnis her. Bei mir war es der letzte Urlaub, in dem ich merkte, dass alles in meinem Alltag zu viel geworden ist. Doch so einfach ließ sich mein fester Entschluss, etwas an der Situation zu ändern, sobald ich aus dem Urlaub zurückkomme, nicht umsetzen. Ich brauchte eine handfeste Methode! Hilfe, die ich aus spiritueller Quelle bezog.

Während des Ausmistens stieß ich nämlich auf alte Studienunterlagen. In meinem geisteswissenschaftlichen Studium an der Hochschule lernte ich den Buddhismus intensiv kennen.  Doch die buddhistischen Lehren zeigen einem nicht, wie man sein Zimmer aufräumt oder den Keller ausmistet. Sie geben einem auch keine konkreten Tipps, wie man seinen Alltag sinnvoll strukturiert oder den Stress besser bewältigt. Trotzdem können die Lehren Buddhas zum Umdenken anregen.   Nicht ohne Grund haben sich Meditation und Achtsamkeit – ursprünglich religiöses Gedankengut – heute in vielen profanen Bereichen des Lebens als bewährte Methode gezeigt.

Gier, Aggression und Verblendung

Buddhas Hauptanliegen war schließlich die Befreiung von Leid! Auch er suchte einen Weg zu einem glücklichen und zufriedenen Leben. Was macht uns ständig unglücklich? Warum können wir nicht dauerhaft zufrieden sein? Was lenkt uns von einem glücklichen und entspannten Leben ab? Bei der Suche nach einer Antwort, identifizierte Buddha schließlich drei so genannte Geistesgifte, die verantwortlich sind für so ziemlich jedes Leid, mit dem wir täglich kämpfen:

1. Gier, 2. Aggression und 3. Verblendung

Als ich erstmals in einer Vorlesung davon hörte, konnte ich ehrlich gesagt nichts damit anfangen.  Schließlich soll Buddha vor fast 2.500 Jahren gelebt haben. Und was betreffen uns seine Probleme? Was haben seine Gedanken mit uns heute zu tun?
Gier, Aggression und Verblendung! Ok. das kennen wir heute auch zu gut: Man kann es auch übersetzen als Habenwollen, Wut und Unwissenheit. Und was hat das Ganze nun mit Minimalismus zu tun? Ganz einfach: In den letzten Jahren haben wir uns vielleicht von falschen Vorstellungen zu einem üppigen oder gar ungesunden Lebensstil verleiten lassen, das uns im Nachhinein in vieler Hinsicht nicht gut tut (Verblendung). Wir wollen immer weiter hinaus, überall dabei sein, dazugehören, das Neuste besitzen, mitreden und ständig etwas beweisen usw. (Gier). Natürlich kommt dabei immer etwas zu kurz, zum Beispiel Zeit für uns und unsere Gesundheit. Das ärgert enorm, wenn wieder alles im Schnelldurchgang geschieht oder einfach keine Zeit für die schönen Dinge bleibt (Aggression).

Buddha war ein schlaues Kerlchen: Diese drei Geistesgifte lassen sich so ziemlich auf jede Situation  anwenden. Kein Wunder, dass ihn die Erkenntnis, wie man diese behebt, zur Erleuchtung führte!

Loslassen wirkt wie Detox

Das Tolle, Buddha identifizierte nicht nur die die Wurzel allen Übels, sondern auch einen Weg, dieses Leiden aufzuheben: kurz, durch Loslassen! Er probierte natürlich selbst alles Mögliche aus, damit  Loslassen im Alltag so gut wie möglich gelingt und fand heraus, dass 1. Meditation, 2. Weisheit und 3. richtiges Verhalten wie Detox wirken! Kleines Beispiel gefällig?

Wenn mich im Alltag mal wieder etwas aufregt, dann hilft Gelassenheit (etwa eine „meditative Haltung“ = Meditation, Punkt 1). Und anstatt meinen schlechten Tag zum Beispiel in Kaufrausch zu ertränken, hilft mir Achtsamkeit und eine dankbare Haltung (definiert als „richtiges Verhalten“, Punkt 3). Schließlich – wenn mich etwas negativ beeinflussen versucht (etwa schlechte Tagesnews), dann versuche ich stets diesen mit Abstand und Reflexion zu begegnen (nach Buddha als „Weisheit“, Punkt 2, bezeichnet).

Diese drei Methoden lassen sich in beliebiger Reihenfolge anwenden und sind letztlich Techniken des  Loslassens. Loslassen von Aufregung (zurückzuführen auf das Geistesgift „Aggression“), vom unüberlegten Handlungen (vermutlich das Ergebnis von „Gier“) und von negativen Gedanken (die uns wieder einmal vom Wesentlichen ablenken und zur „Verblendung“ führen).

Probiere es selbst einmal aus: Jeder negative Gedanke, jede Misstimmung und so ziemlich jede unangenehme Situation lässt sich auf eines (oder gleich mehrere) der drei Geistesgifte zurückführen und wiederum von einer der drei Loslass-Techniken entkräften. Am Ende heißt es schließlich immer: Loslassen – eigentlich ganz schön einfach! Buddha ist damit eine Art Prototyp des Minimalismus.

Buddha räumt auf …

Das zur Theorie! Wie sieht Loslassen aber nun in der Praxis aus? Wie kann mir Buddha dabei helfen, etwa meine Wohnung zu entrümpeln (damit es sich vielleicht am Ende anfühlt wie in einer aufgeräumten und gemütlichen Urlaubsfinca)? Mein Gewicht zu reduzieren, mich vielleicht gesünder zu ernähren und mehr Bewegung in den Alltag zu integrieren?  Und wie unterstützt mich Buddha bei der Arbeit – in Bezug auf to-do-Listen, schwierige Kollegen und die längst angestrebte Work-Life-Balance? Wie schaffe ich es mit Buddhas Hilfe, endlich gefühlt mehr von meiner Freizeit zu haben? Schließlich wollen wir diese ja nicht minimalisieren sondern so viel wie möglich davon haben! Hat Buddha auch eine Methode hierfür?

…in den eigenen vier Wänden, im Job, in der Freizeit und auf dem Speiseplan

Selbstverständlich lässt sich die Wohnung einfacher entrümpeln mit den Loslass-Tipps von Buddha. Schließlich ist unser Zuhause das Spiegelbild unserer Seele. Also packen wir´s an und sorgen für äußere Ordnung und innere Klarheit. Das Gleiche gilt auch für die Ernährung und Bewegung: Unser Körper ist schließlich das wahre Zuhause. Darin wohnen wir tatsächlich – bis ans Ende unserer Tage. Es wird Zeit, auch hier aufzuräumen. Dabei geht es nicht um weniger Essen, sondern um eine  achtsame Ernährungsweise – etwa in der Auswahl der Lebensmittel (z.B. zuckerfrei, nachhaltig, saisonell), in der Zubereitung und schließlich im bewussten Essen (versuch´s mal mit Slow Food). Wer seinen Alltag minimalistisch gestaltet, hat am Ende auch mehr Zeit für seine Gesundheit – und damit eine Extrastunde pro Tag frei für Sport!  Wie wäre es mit der wohl minimalistischsten Sportart überhaupt, dem Laufen – das wäre mit Sicherheit auch Buddhas Lieblingssport!
Buddha dient nicht nur zur Zierde als Figur auf dem Arbeitsschreibtisch – sondern kann auch hier enorm Abhilfe schaffen: Lasse los von perfektionistischen Vorstellungen und der Gier nach schneller, höher, weiter… Es kann schnell nach hinten losgehen. Buddhas Loslass-Methode kann auch dabei helfen, mit schwierigen Menschen besser umzugehen, mehr Selbstsicherheit zu  erlangen oder  entspannter an die täglichen Aufgaben heranzutreten.

Apropos Feierabend: Die Freizeit kann mit Buddhas Anleitung zum Loslassen wahrlich zum Vergnügen werden. Entspannt Nein sagen, etwa zu Zeiträubern und Stressbeißern, bereichert das Wohlbefinden und letztlich die eigene Lebenszeit und erhöht die Lebensqualität. Wenn die Wohnung am Ende sowieso eher einer tollen Hotelsuite gleicht, steht einem fröhlichen Nichtstun oder spontanem Ausflug nichts mehr im Weg, nicht wahr?!

 

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