Die Wissenschaft vom Tee

Wer sich etwas Zeit nehmen, eine kleine Pause einlegen oder einfach nur wieder zurück zum Ursprung finden will, kann es einfach mal mit einem Tässchen Tee versuchen. Teetrinken ist eine Schluck-für-Schluck-Methode, um zur Einfachheit zurück zu finden. Nicht umsonst heißt es, Abwarten und Tee trinken. Tee  genießen, heißt auch, sich auf das Wesentliche konzentrieren. Eine Tasse Tee  heißt Schluck für Schluck zu mehr Gelassenheit, Glück und Zufriedenheit! Teetrinken ist das Ritual der Pause. Tee kann man sofort und einfach genießen. Oft braucht es gar nicht viel, um im Moment zu verweilen. Tee heißt Innehalten, sich sammeln und auf wundersame Weise die Zeit anhalten.

Die Wiederentdeckung des Tees

Tee hat eine lange Tradition. Lass Dich einfach mal ein auf eine Traditionelle Teezeremonie in entspannter, besinnlicher und ruhiger Atmosphäre. Tee ist Kult und zeitlos. Er scheint als würde eine uralte Tradition wiederentdeckt werden. Manche sagen sogar,  Teetrinken sei das neue Yoga. Wo die Nachfrage ist, da ist auch das Angebot: Und das ist reichhaltig. In den neuen Teehäusern, die immer häufiger in den Straßen unserer Städte zu finden sind, kommt man endlich zur Ruhe, zum Relaxen und Nachdenken – fern vom üblichen Berufs- und mittlerweile auch Freizeitstress. Dabei steht vor allem ungesüßter Grüner Tee hoch im Kurs. Vor allem als Matcha Tee wird er gerne getrunken.

Seit wann süßen wir unseren Tee?

Das Süßen eines Tees mit Zucker, Kandis oder Honig war lange unüblich. Es kam  erst mit britisch-kolonialem Einfluss und die Zugabe von Milch, Nelken, Kardamom und Zimt in den Tee sind typisch indischer Art.
Man trinkt Tee heute zu allen möglichen Anlässen und Gelegenheiten: Zum Wachwerden am Morgen, zur deftigen Speise, in fast jeder Pause während der Arbeit, zu Süßem am Nachmittag und kurz vor dem Schlafengehen als beruhigendes Einschlafmittel.

Die Blätter geben den Geschmack

In traditioneller Hinsicht werden meist ganze Blätter beim Aufbrühen verwendet. In der traditionell chinesischen Kultur ist die erste Tasse „für den Feind und die zweite für den Freund“ bestimmt. Das bedeutet, der erste Aufguss öffnet die Blätter, um die Bitterstoffe auszuschwemmen. Dann wird er weggekippt. Den zweiten Aufguss lässt man dann einige Sekunden länger ziehen, bevor man ihn in Teeschalen zum Servieren gibt. Erreicht man den 15. Aufguss spricht man dann vom „Aufguss der langen Freundschaft“ (ob man soweit kommt, hängt ganz davon ab, wie intensiv die Blätter noch an Aroma abgeben. Schließlich soll die Freundschaft ja nicht wässrig werden und sich nicht verflüssigen).

Tee trinken heißt Zeit nehmen

Teetrinken heißt vor allem sich Zeit nehmen für Familie und Freunde. Es ist daher vor allem auch ein geselliges Ritual. Man trifft sich, um gemeinsam Tee zu schlürfen. Teetrinken heißt Ruhe, Genuss, sich sammeln und den Geist klären.

Ein Getränk, viele Möglichkeiten

Die beliebtesten Sorten sind Grüner und Schwarzer Tee, Früchte- und Kräutertee. Grüner, weißer und schwarzer Tee beinhaltet zudem Koffein und wirkt sogar etwas stärker als Kaffee.  Je nach individueller Vorliebe kann ein Tee auch gesalzen oder mit Ingwer verfeinert werden. Egal ob grün, schwarz, malzig, herb oder fruchtig. Tee wird  hierzulande viel und gern getrunken. Die erste Erwähnung als thee finden wir im Brüder Grimm Wörterbuch des 17. Jahrhundert. Neben Kaffee (dem uns liebsten Getränk) gehört Tee ebenfalls zu unseren Favoriten. Europäer tendieren dazu, ihn noch immer auf die feine englische Art zu trinken. Das heißt, schwarz mit Milch am späten Nachmittag zu etwas Gebäck. Aber auch das ändert sich allmählich.

Tee wird immer beliebter

Die Teeproduktion hat sich in den letzten Jahrzehnten verzehnfacht! Insgesamt werden weltweit bis zu 4,5 Millionen Tonnen Tee geerntet. Die Nachfrage steigt. Die größten Importeure sind Indien, Sri Lanka, Afrika, Indonesien und China und zu den größten Teetrinkern zählen unter anderem Paraguay, Argentinien, Irland und natürlich unsere norddeutschen Ostfriesen.

Bis der Tee so abgepackt, eingereiht und fertig als Beutel in den Einkaufsregalen unserer Lebensmittelläden steht, durchläuft er mehrere komplexe Produktionsschritte. Die Blätter werden getrocknet, zerschnitten, gerollt, oxidiert, sortiert, erwärmt, (je nach Sorte) fermentiert, gekühlt und schließlich irgendwann abgepackt. Selten verwendet man frische Teeblätter bei der Zubereitung. Höchstens greifen wir zur Scheibe Zitrone, vielleicht noch zu echten Minze-Blättern oder Ingwerstücken, wenn wir uns einen Tee mit frischen Zutaten aufbrühen wollen.

Die deutsche Teewirtschaft unterzieht die Trockenblattware dabei ständiger Qualitätskontrolle. Mit neusten Technologien (dem sogenannten Monitoring-System) werden Teeproben in Laboren untersucht und genauestens unter die Lupe genommen. So kann man etwa Rückstände über verwendete (vielleicht verbotene) Schutzmittel nachweisen. Tee gehört wohl zu den industriell am wenigsten belasteten Lebensmitteln. Trotzdem sollte man wenn möglich besser zur Biovariante greifen.

Tee ist gut für die Gesundheit

Tee ist preiswert und gesund. Dermatologen haben herausgefunden, dass der regelmäßige Konsum von Grünem Tee  etwa das Hautbild verbessern kann. Tee hat stimulierende und gesundheitsfördernde Wirkung. Er sorgt für genügend Flüssigkeitsaufnahme, kann bei Gewichtsproblemen helfen und bewirkt eine angenehme entspannte Wachheit (der Koffeingehalt mancher Teesorten hält länger an als Kaffee, ohne jedoch diesen üblichen Koffeinschock hervorzurufen). Man kann ihn sowohl heißt als auch kalt genießen (manche Sorten, wie Pfefferminztee oder Limette sind echte Cooler und wahre Durstlöscher).

Einige Teesorten beinhalten angeblich sogenannte Antioxidantien, sie schützen vor Bakterien und Viren, unterstützen ein bereits angeschlagenes Immunsystem und wärmen von innen. Wenn ich an die pfeffrigen von innen wärmenden Sorten denke, macht das durchaus Sinn! Viel Flüssigkeit bedeutet Anti-Aging. Das Getränk passt einfach zu allem, ist zeitlos und schnell zubereitet. Es ist ein Universalgetränk, bringt Menschen zusammen und macht sogar kurzfristig satt (oder zügelt zumindest den Appetit). Tee bringt in Schwung und kurbelt den Kreislauf wieder an. Die Konzentrationsfähigkeit kann dadurch verbessert werden. Genügend Flüssigkeit sorgt für eine bessere Durchblutung in Kopf und Darm. Damit wird auch die Verdauung angeregt, der Cholesterinspiegel gesenkt (vor allem durch den Konsum von Schwarzem Tee) und Stress abgebaut.

Mehr als 3.000 Teesorten

Tee ist immer eine Pause wert. Es gibt mittlerweile mehr als  3000 verschiedene Sorten. Aufgrund der vielen Mixvariationen, Neukreationen und Phantasiesorten lassen sie diese kaum alle erfassen – aber es wird zumindest nie langweilig.

Zu der beliebtesten Sorte zählt immer noch der klassische Schwarze Tee (Assam, Ceylon und Darjeeling). Dieser wird in Ostindien, Sri Lanka oder im Himalaya angebaut. Tee wird aus Früchten, Kräutern oder Wurzeln gemacht. Wir lieben den Tee auch aromatisiert: Zum Beispiel Rosen- oder Jasmin Tee sind Grüner Tee mit natürlichem Zusatz von Blüten. Beliebt bei uns sind auch Teesorten mit Frucht- und Beerenaromen, Vanillegeschmack, Zimt-Duft oder Lemmon Gout. Greife wenn möglich immer zur natürlichen Variante und wähle besser frische Gewürze und Zutaten für Deinen Tee. Garniere ihn zum Beispiel mit Orangenscheiben, Anis oder Chili. Der in der Tabelle aufgelistet bereits erwähnte Earl Gray gehört ebenfalls zur beliebten Sorte Tee hierzulande (eine Teemischung aus Schwarzem Tee, aromatisiert mit Bergamotten-Öl).

Wie man Tee sonst noch trinken kann

Einige Teesorten werden mit Milch, Sahne oder Kondensmilch getrunken. Die Engländer lieben ihren Tee (ähnlich wie Inder) mit Milch, Ostfriesen verwenden lieber Sahne, Osteuropäer mögen es besonders süß (mit Gelee oder Marmelade) und in Zentralasien verwendet man buttrig-dickflüssige Milch vom Yak, einer robusten und vor allem in dieser Steppenregion lebenden Rinderart. Man trinkt den sogenannten Po Cha im Himalaya daher eher salzig und dickflüssig. Er ist so kalorienhaltig, dass er fast als eigenständige Mahlzeit durchgeht. Der Löffel kann darin sicherlich senkrecht stehen.

Versuche es auch mal mit Mandelmilch oder lass alles weg (auch in Ländern wie Korea, Japan oder Vietnam verzichtet man in der Regel auf allerlei Zusatz. Der Tee wird in asiatischen Ländern oft ungesüßt und sicherlich auf Grund der häufig vorkommenden Laktose-Intoleranz gern ohne Milch getrunken). Wenn Du einen wirklich positiven Effekt auf Deine Gesundheit spüren willst, rate ich Dir ebenfalls auf Zucker im Tee zu verzichten. Tee schmeckt frisch zubereitet einfach am Besten und wie süß oder herb er tatsächlich empfunden wird, hängt ganz von der eigenen Gewohnheit ab.

Mit Kluntje und Wukje zum Tee-Trinkweltmeister

Natürlich haben sich auch hierzulande eigene Teerituale entwickelt. Man denke dabei einfach an die bitter-süße Teekultur in Ostfriesland. Teetied nennen sie ihre besondere Teezeremonie, die zum wesentlichen Bestandteil des Alltags an der Nordsee zählt. Gegen 15 Uhr am Nachmittag werden die Teekannen mit heißem Wasser gefüllt. Dafür verwenden die Ostfriesen selbstverständlich auch aufwendig und hübsch verziertes Teeservice. Der Tee wird in der Kanne zubereitet, bevor er eingeschenkt wird. In die Tasse kommt manchmal ein Stück Kluntje (Kandiszucker) und anschließend ein Löffel Sahne. Diese wird erst nach Eingießen des Tees vorsichtig am Rand platziert (ohne umzurühren), so dass das Wulkje (Sahnehäubchen) die Oberfläche komplett bedeckt. Dadurch entsteht das dreiteilige Geschmackserlebnis: Erst herb, dann sahnig-weich und schließlich sweety. Ostfriesen trinken viel Tee, jährlich kommen sie auf stolze 300 Liter pro Kopf. Damit sind sie Tee-Trinkweltmeister. Die Lieblingssorte ist – was sonst – der Ostfriesentee, eine Variante des Assam (schwarzer Tee).

Woher kommt Tee?

Tee wird aber vermutlich schon seit 2200 Jahren getrunken. Wohlmöglich erreichte der erste Tee Europa über die Niederlande um 1600 n. Chr. Das damals feudale eigenständige aber eher unbekannte Ostfriesland muss wohl als Erstes mit der importierten Ware aus Indien in Berührung gekommen sein (Ostfriesland zählt erst seit 1946 zu Niedersachsen (!), zwischendurch gehörte es zu Preußen und später dem Königreich Hannover an). Erst später kamen auch Teesorten aus China, Afrika und Indonesien (Java und Jakarta) nach Europa. Etwa der Rooisbos (auch als Rotbusch bekannt) kommt aus Südafrika. Mate-Tee wird aus Stechpalmen gewonnen und wächst bevorzugt in Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay. Sencha, nichts weiter als Grüner Tee aus Japan, hat es ebenfalls durch seinen milden Geschmack in unsere Küchenregale geschafft.

Jährlich bis zu  26 Liter Tee

Wir genießen durchschnittlich etwas 26 Liter Tee im Jahr und tun damit aktiv etwas Gutes für unsere Gesundheit. Tee ist flüssiges Wellness und frisch zubereitet, wohltuend für Körper, Geist und Seele.

Tee passt zu einer gesunden ausgewogenen Ernährung. (Kalter) Tee kann erfrischen  und  für reichlich Flüssigkeit im Körperhaushalt sorgen. Es unterstützt daher die aktive Alltagsgestaltung, sowohl am Arbeitsplatz, nach dem Laufen und als Genuss- und Entspannungshilfe beim Meditieren. Wer auf seine Gesundheit achtet, greift folglich zum Teebeutel. Es gibt mittlerweile so viele Teesorten, da ist für jeden etwas dabei.

Na hast Du Lust auf ein Tässchen Tee bekommen? Schön.  Nimm Dir die Zeit dafür, genieße jeden einzelnen Schluck und lass es Dir gut gehen.

Beliebte Tee-Sorten im Überblick

Chinesischer Tee

Uicha (Grüner Tee, Blätter werden nicht oxidiert)
Baicha oder MoLiYin Zhen (Weißer Tee, das „Kaiser Getränk“, nur die ungeöffneten Blattknospen werden verwendet)
Huangcha (Gelber Tee, eine Sorte zwischen Grünem Tee und Oolongtee, seltene Sorte)
Oolong Tee („Schwarzer Drache“)
Pu-Erh-Tee (nachfermentierter Tee)
Hongcha (Roter, bzw. Schwarzer Tee, Blätter werden oxidiert)

Indischer Tee

Masala Chai (schwarzer Tee, besteht aus Wasser, Milch, Kardamom, Nelken, Fenchelsamen, Anis, Zimt, Ingwer)
Kaschmir Tee (Wasser, Milch, grüner Tee, gehackte Mandeln, Kardamom, Zimt)
Kafi (Milch, Wasser, Kaffee, Muskat, Kardamom, Safran)

British Tea Time

Earl-Gray (schwarzer Tee, mit Milch)
Afternoon Tea/ High Tea (gegen 17 Uhr ist Tea Time, meistens in Verbindung mit kleinen Häppchen)

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